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apgd Open Source 08: Werber rufen nach Führung

Beim Thema für den diesjährigen Kongress des deutschen Planner-Verbands hatte ich schon befürchtet, dass es zu einer revisionistischen Veranstaltung werden könnte. Und diese Befürchtung ist leider eingetreten.

PJ Mahreholz eröffnete in seiner Einleitung mit dem Ruf nach Führung in den Unternehmen statt Verwaltung und Bürokratie. Gemeint war damit die verständliche, aber gleichermaßen romantische wie naive Forderung, dass auf Seiten der Agenturkunden doch wieder mutiger zugunsten grosser Ideen entschieden werde, statt sich von Marktforschern und Beratern die Entscheidungen abnehmen und nur kreatives Mittelmass leben zu lassen.

Davon abgesehen, dass die erklärten Feindbilder der Planner, die Unternehmensberater, sich auf die Entschlußlosigkeit in den Unternehmen eingestellt haben und prächtig von ihr leben, ließ gleich der erste Redner die Bombe platzen, deren Splitter man sich hier und heute eigentlich aus dem Leib ziehen wollte. Professor Jansen von der Zeppelin Universität am Bodensee versteckte die Antwort auf alle Plannerfragen in einem kleinen Exkurs über Max Weber, der präzise erklärt hatte, dass alle Wirtschaftsunternehmen sich in Richtung totaler Bürokratie entwickeln müssen, weil allein die Verwaltung noch legitime Herrschaft ausüben kann.

Damit war der Spannungsbogen für den Tag abgerissen und es folgten nur noch revisionistische Rufe nach “Leadership”. Ob Prof. Gerd Langguth, Bonner Politikwissenschaftler und Kenner der Herrscherfiguren dieses Landes von Kohl bis Merkel, oder Hans-Ulrich Jörges, Mit-Chefredakteur des “Stern” und seit heute aktenkundiger Führungsfanatiker, der sich sogar dazu hinreißen ließ, unsere heute so schwache Führungskultur als “Friedensmalus” zu diagnostizieren; man konnte den Eindruck nicht von der Hand weisen, dass der Ruf nach der starken Hand im Raume schwebt. Natürlich gab sich jeder der Redner Mühe, sein Bild der Führung mit einem menschlichen, kooperativen, kompetenten und mitreißenden Antlitz auszustatten - aber das tat Platon schon in der Politik. Vor einer Militärakademie hätte ich diese Redner nicht hören mögen.

Mein letzter Vortrag des Tages war dann der von Frau Prof. Eva Marie Haberfellner, Gesamtleiterin der Schule Schloß Salem. Die unglaublich einfühlsame Stimme, mit der sie ihr Bild vom Schüler, der sanfter Führung bedarf, zeichnete, gab mir den Rest - wie wohl jedem, der einmal Adornos “Erziehung zur Mündigkeit” gelesen hat.

Mit dem Vortrag von Hans-Ulrich Jörges muss ich mich an gesonderter Stelle unter dem Stichwort “Postdemokratie” ausführlicher befassen. Zwei weitere Vorträge zu den Themen “Lehren aus Fernost: Führen im Kaizen-Stil” und “Führung auf den Gipfel: die Bergführerausbildung” musste ich leider verpassen.

Bleibt die Frage, ob die Organisatoren ahnten, welche Geister sie riefen? Und wie sehr sie ihrer eigenen Ambivalenz zwischen Dienen und Führen zum Ausdruck verhalfen, dem großen Ohnmachtskomplex unserer Berufsgruppe.

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